Zwischen Widersprüchen Brücken bauen
Brücken bauen als Zukunftskompetenz
In einer Welt, die sich immer schneller verändert und komplexer wird, stoßen einfache Antworten zunehmend an ihre Grenzen. Auch wenn wir das oft nur schwer aushalten können: Unsere Realität präsentiert sich selten in eindeutigem Schwarz und Weiß. Statt klarer Gegensätze begegnen uns Widersprüche und Mehrdeutigkeiten. Probleme lassen sich selten auf eine einzige Ursache reduzieren, Lösungen sind nicht immer eindeutig richtig oder falsch. Hier liegt die Herausforderung und zugleich die Chance: Kritisches Denken bedeutet, Narrative zu hinterfragen, Komplexität auszuhalten, sie zu durchdringen und neue Verbindungen herzustellen.
Offenheit und kritisches Denken gehören zusammen
Kritisches Denken heißt nicht, als Selbstzweck alles anzuzweifeln und schwarz zu malen. Aber als Führungskräfte-Coach erlebe ich täglich, wie entscheidend es ist, dass Führungskräfte über die Fähigkeit verfügen, Informationen sorgfältig und mit wachem, offenen Geist zu prüfen, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und Argumente abzuwägen. Es verlangt von Führungskräften, sich von oft unterkomplexen Denkmustern zu lösen und offen für Ambivalenzen zu bleiben. Diese Kompetenz ist mehr als ein Werkzeug – sie ist eher das Resultat eines gut trainierten „Veränderungsmuskels“. Eine innere Bereitschaft, die Widersprüche nicht als Störfaktor ansieht, sondern als Ausgangspunkt für Innovation und Entwicklung. Führungskräfte, die diese Bereitschaft verinnerlicht haben, schaffen Räume für erkundenden Dialog und Austausch, in denen unterschiedliche Sichtweisen nicht nur toleriert, sondern aktiv gesucht werden.
Brücken bauen in unsicheren Zeiten
Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen – sei es in Diskussionen um Klimawandel, Digitalisierung oder geopolitische Umbrüche – brauchen wir Menschen, die Brücken bauen können zwischen scheinbar unvereinbaren Positionen. Kritisches Denken, das sich um tiefes Verstehen bemüht, ermöglicht Zusammenhänge zu erkennen, Vernetzungen herzustellen und kreative Lösungen zu entwickeln.
Führung braucht Mut zur Ambivalenz
Für Führungskräfte bedeutet das konkret: Sie müssen ihre Teams ermutigen, Fragen zu stellen und auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Sie müssen selbst bereit sein, sich mit Unsicherheiten auseinanderzusetzen und widersprüchliche Informationen auszuhalten. Und mit all den Ambivalenzen gilt es dann, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die sich trotz vielfachen Abwägens als korrekturbedürftig herausstellen können. Dies sind dann keine Fehlentscheidungen – denn manches zeigt sich eben erst im Nachgang zu einer getroffenen Entscheidung.
Die Zukunft gehört kritischen Denkern
Die Fähigkeit zum kritischen Denken und Hinterfragen ist sicherlich eine Zukunftskompetenz. Sie entscheidet darüber, wie Organisationen und Gesellschaften mit den Herausforderungen von morgen umgehen. Wer diese Kompetenz vernachlässigt, läuft Gefahr, in starren, unterkomplexen Denkmustern stecken zu bleiben. Erfolgreiche Zukunftsgestalter lernen, Widersprüche auszuhalten, Verbindungen zu schaffen und immer wieder neu zu entscheiden.







